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Münster (lwl). Klassiker und aktuelle Filme zum Thema Migration zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zusammen mit dem Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster, dem Verein ¿Die Linse¿ zur Förderung kommunaler Filmarbeit, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und dem Verein ¿Gegen Vergessen ¿ Für Demokratie¿ in der Reihe ¿Drehbuch Geschichte 2016¿.
Vom 8. März bis zum 2. Mai präsentieren die Veranstalter fünf ausgewählte Spielfilme im Cinema Münster, die sich sowohl mit der Immigration nach Deutschland als auch mit der deutschen Emigration ins Ausland auseinandersetzen. Ein weiteres Forum in der Villa ten Hompel zeigt zwei Filmdokumente über Flüchtlinge und Vertriebene des Zweiten Weltkriegs.
¿Die aktuelle Zuwanderung ist sozialgeschichtlich gesehen kein neues Phänomen in Deutschland und Westfalen. Ein Blick in unsere Vergangeheit zeigt, dass Ein- und Auswandererbewegegungen ein beständiger Teil unserer Geschichte waren¿, erläutert Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums, der die Filmreihe gemeinsam mit Christoph Spieker vom Geschichtsort Villa ten Hompel der Stadt Münster initiiert hat.
Die Filme:
¿Babai¿(Deutschland 2015), 8. März
Den Auftakt der Reihe macht der Film ¿Babai¿, der die Geschichte des zehnjährigen Nori (Val Maloku) erzählt. Der Junge verkauft zusammen mit seinem Vater Gesim (Astrit Kabashi) Zigaretten auf den Straßen des Vorkriegs-Kosovo der 1990er Jahre. Als der Vater ohne Wissen seines Sohns aus dem Kosovo flieht, folgt Nori ihm auf diese gefährliche Reise und findet tatsächlich seinen Vater in Deutschland wieder. Der Debütfilm des aus dem Kosovo stammenden und in Deutschland aufgewachsenen Regisseurs Visar Morina gewann beim Filmfest München 2015 drei von vier Förderpreisen der Sektion ¿Neues Deutsches Kino¿. ¿Wir freuen uns sehr, dass wir zum Auftakt der Reihe Regisseur Visar Morina in Münster begrüßen dürfen, der am 8. März seinen preisgekrönten Film ¿Babai` selbst vorstellen wird¿, so Holger Lüsch vom Kooperationspartner Linse e.V.
¿Gold¿ (Deutschland 2013), 06. April
Einen Perspektivwechsel nimmt der zweite Film der Reihe vor. In ¿Gold¿ zeigt Regisseur Thomas Arslan anders als üblich Deutsche nicht als Bürger des Aufnahmelandes, sondern selbst als Migranten. Der Film spielt im Nordamerika des Jahres 1898. Die aus Deutschland stammende Emily Meyer (Nina Hoss) schließt sich einer Gruppe deutscher Einwanderer an und begibt sich mit dieser auf einen 2.500 Kilometer langen Treck, ihr Ziel: die Goldfelder beim Klondike River. Anders als von ihrem Führer versprochen, stellt sich der Weg durch die endlosen Weiten Kanadas als strapaziös und gefährlich heraus. Historiker Gisbert Strotdrees, der am 6. April in den Film einführen wird, sagt: ¿Erzählt wird keine Story vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Tagelöhner zum Farmer, sondern der Fokus liegt auf dem Unterwegssein und allem, was damit zusammenhängt: Drastik, Wahn, Leid, Gewalt, Nähe und Distanz.¿
Angst essen Seele auf¿ (Deutschland 1974), 18. April
Um die Situation der sogenannten ¿Gastarbeiter¿ in den 1970er Jahren geht es in Rainer Werner Fassbinders Film ¿Angst essen Seele auf¿. Die einsame Witwe Emmi (Brigitte Mira) lernt den 20 Jahre jüngeren ¿Gastarbeiter¿ Ali (El Hedi ben Salem) kennen. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht zieht Ali bei Emmi ein, kurze Zeit später heiraten sie. Aber Emmis Familie und Umfeld akzeptieren die Beziehung nicht. ¿Fassbinders Film provoziert auch heute noch sein Publikum, die eigenen Moralvorstellungen zu hinterfragen¿, so Mark Lorei, vom LWL-Medienzentrum, der gemeinsam mit Horst Wiechers vom Verein ¿Gegen Vergessen ¿ Für Demokratie¿ in den Film einführen wird.
¿Shirins Hochzeit¿ (Deutschland 1975), 27. April
Weniger bekannt, aber genauso provozierend ist der fast zeitgleich entstandene Film ¿Shirins Hochzeit¿ der kürzlich verstorbenen Regisseurin Helma Sanders-Brahms. Shirin (Ayren Erten) ist verliebt in Mahmud (Arans Ören). Doch Mahmud lebt als ¿Gastarbeiter¿ in Deutschland. Als Shirin mit dem Landverwalter ihres Vaters verheiratet werden soll, flieht sie aus ihrer türkischen Heimat nach Deutschland, um Mahmud zu finden. Auf ihrer vergeblichen Suche wird Shirin mit einer fremden Welt konfrontiert, die sie als billige Arbeitskraft ausbeutet. Nach ihrer plötzlichen Entlassung soll sie gegen ihren Willen zurück in die Türkei. Hilfe suchend lernt sie den zwielichtigen Aida (Jürgen Prochnow) kennen, der ihre prekäre Situation gewissenlos ausnutzt. Helma Sanders-Brahms verdeutlicht in drastischen Bildern, was es bedeutete, als ¿Gastarbeiterin¿ gleich mehreren diskriminierten Gruppen anzugehören. Die Deutschtürkin Yeliz Dumlupinar führt in den Film ein.
¿Weil ich schöner bin¿ (Deutschland 2012), 2. Mai
Den Abschluss der Reihe bildet der Film ¿Weil ich schöner bin¿ aus dem Jahr 2012. Charo (Mariangel Böhnke) ist 13 Jahre alt, wohnt in Berlin und möchte unbedingt aufs Gymnasium, um später studieren zu können. Was niemand weiß: Sie lebt mit ihrer Familie seit Jahren ¿illegal¿ in Deutschland. Als ihre Mutter (Angeles Aparicio) von der Polizei verhaftet wird und gemeinsam mit Charo nach Kolumbien abgeschoben werden soll, vertraut sich diese ihrer besten Freundin Laura (Mira Aring) an. Gemeinsam suchen die beiden Freundinnen einen Weg, damit Charo in Deutschland bleiben kann. ¿Der Film versteht, eine lebendige Teenager-Story mit dem Ausnahmezustand der Illegalität zu verbinden und so erfolgreich den Drahtseilakt zwischen Feel-Good-Movie und Filmdrama zu vollführen¿, so Lorei, der den Film ausgesucht hat. Einführen wird ihn Claudius Voig von der GGUA Flüchtlingshilfe.
¿Kalte Heimat ¿ Flüchtlinge und Vertriebene des Zweiten Weltkriegs in zwei Filmquellen¿, 13. April
Die fünf Spielfilme der Reihe werden in einem Forum am 13. April um eine regionalgeschichtliche Facette ergänzt, die die Situation der Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen beleuchtet, die nach 1945 Westdeutschland erreichten. Zwei Filmdokumente veranschaulichen dieses Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Während ¿Asylrecht¿ (D/GB 1949, Rudolf W. Kipp) die rigide Aufnahmepraxis an der britischen Zonengrenze und die Situation der Neuankömmlinge in den Notaufnahmelagern zeigt, stellt der Werbefilm ¿Denn wo ein Wille ist ¿¿ (D 1954, Alexander Treleani) die Aufbauleistung in der neu entstandenen Flüchtlingsstadt Espelkamp-Mittwald vor.
Für die Betroffenen hatte sowohl die deutsche Emigration ins Ausland als auch die Immigration nach Deutschland stets einen bitteren Beigeschmack. ¿Die deutsche Übersetzung des in den 1960er Jahren entstandenen türkischen Liedtitels ¿Almanya acı vatan¿ (Deutschland bitteres Vaterland) ist daher namengebend für diese Reihe¿, erläutert Dr. Christoph Spieker, Leiter des Mitveranstalters Villa ten Hompel. Es zählt zu den bekanntesten einer ganzen Serie von melancholischen Liedern aus der Türkei, die entweder die eigene Migration nach Deutschland oder die eines geliebten Menschen besingen.
Die Spielfilme werden im Cinema Münster an der Warendorfer Str. 45 gezeigt und von Fachleuten eingeführt. Anschließend besteht Gelegenheit zu Nachfragen und Diskussionen. Alle Filme im Cinema können auf Anfrage auch als Schulvorführungen gezeigt werden.
Die Filme im Überblick:
Dienstag (8.3.) 19 Uhr im Cinema Münster Babai (D 2015, Visar Morina)
Einführung: Visar Morina, Regisseur
Mittwoch (6.4.) 19 Uhr im Cinema Münster Gold (D 2013, Thomas Arslan)
Einführung: Gisbert Strotdrees, Historiker und Buchautor
Mittwoch (13.4.) 19 Uhr in der Villa ten Hompel (Kaiser-Wilhelm-Ring 28, Münster) Kalte Heimat ¿ Flüchtlinge und Vertriebene des Zweiten Weltkriegs in zwei Filmquellen
Einführung: Prof. Dr. Markus Köster
Montag (18.4.) 19 Uhr im Cinema Münster Angst essen Seele auf (D 1974, Rainer Werner Fassbinder)
Einführung: Horst Wiechers und Mark Lorei, Historiker
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Der 2015 auf dem Filmfest München prämierte Film ¿Babai¿ bildet den Auftakt der Reihe. Foto: Nikofilm
¿Angst essen Seele auf¿ legt die Fremdenfeindlichkeit und Machtstrukturen einer von Ressentiments geprägten Ge-sellschaft offen. Foto: Fassbinder-Foundation
Der lähmende, unerträgliche Status der ¿Illegalität wird in ¿Weil ich schöner bin¿thematisiert. Foto: Filmgalerie 451
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000
Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen,
20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für
Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten-
und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit
wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen
Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die
Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein
Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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