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29.09.10 | Kultur Schnaps und Speckpfannkuchen für die Erntehelfer:
Erntedank fing schon auf dem Feld in den Pausen während der harten Arbeit an
Leicht verderbliches Obst und Gemüse erforderte beim Einkochen eine große Sorgfalt, um es für einen längeren Zeitraum haltbar zu machen.
Foto: LWL
Zum ¿zweiten Frühstück¿ seien meist sehr nahrhafte Speisen ausgeteilt worden, zum Beispiel Kartoffel- oder Speckpfannkuchen, mit Schinken belegte Brote und Buchweizengrütze. Als Getränke habe es eine mehr oder weniger große Ration Schnaps, Kaffee oder verdünnte Buttermilch gegeben. Aus Schöppingen (Kreis Borken) sei der Konsum von Bier überliefert, das in sogenannten ¿Bullenköppen¿ (sechs Liter fassendes Gefäß) transportiert wurde. ¿Mancherorts handelten die Helfer vor Beginn der Erntearbeiten sogar die Menge des Alkohols aus¿, so Cantauw.
Eine der kräftezehrendsten Arbeiten im landwirtschaftlichem Jahr war die Heu- und Getreideernte. ¿Feldarbeiter, die mähten oder mit der Sense hantierten, mussten sehr geschickt sein¿, sagt die Volkskundlerin. ¿Meist begannen die Arbeiten auf dem Feld im Sommer früh. So war etwa der günstigste Zeitpunkt für den Grasschnitt, bevor der Morgentau getrocknet war, weil das noch feuchte Gras sich besser schneiden ließ.¿ Auch das Getreide sei oft in den Morgenstunden gemäht worden, manchmal sogar noch in der Nacht um zwei oder drei Uhr. Der ländliche Arbeitstag sei stark von der Jahreszeit abhängig gewesen. ¿Zum einen variierte die tägliche Arbeitszeit, denn sie richtete sich zwangsläufig nach dem Tageslicht und zum anderen waren die Aufgaben in den einzelnen Jahreszeiten sehr unterschiedlich.¿ Eine besonders arbeitsintensive Zeit war der Sommer mit den zahlreichen Erntearbeiten gewesen, ehe im Herbst die Vorräte für den Winter vorbereitet wurden. Geerntetes Getreide und Früchte musste man richtig lagern und konservieren, damit sie möglichst lange haltbar waren.
Ein Großteil der Bevölkerung in Westfalen lebte um die Jahrhundertwende noch auf dem Land und war von den landwirtschaftlichen Erträgen unmittelbar abhängig. ¿Viele Arbeitsgänge sind heute nahezu unbekannt und wir haben kaum noch eine Vorstellung davon, welchen Arbeitsbelastungen die Menschen bis weit ins 20. Jahrhundert ausgesetzt waren¿, sagt Cantauw.
Hintergrund:
Die Volkskundliche Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat mehr als 6.500 Alltagsberichte aus dem frühen 20. Jahrhundert digitalisiert. Die Informationen und Erinnerungen, darunter noch viele aus dem 19. Jahrhundert, stammen aus einer Befragung zwischen den 1950er und 80er Jahren. Die Volkskundler befragten rund 100 Westfalen zu verschiedenen Bereichen der Alltagskultur, wie Arbeit, Frömmigkeit, Kleidung oder Ernährung. Derzeit arbeiten die Volkskundler daran, die Manuskripte im Internet zugänglich zu machen.
Die Digitalisierung der Alltagsberichte, die Forscher am Seminar für Volkskunde/ Europäische Ethnologie der Universität Münster durchführen, wird durch die Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ermöglicht. Diese war bereits Geldgeber für die Bearbeitung des Westfälischen Lied- und Tonarchivs, das im Internet aufrufbar ist. Cantauw: ¿Zusammen mit dem Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen stellen die Bestände einen Teil unseres kulturellen Erbes in Westfalen dar und haben für die Erforschung und Dokumentation der historischen Alltagskultur einen unschätzbaren Wert, der ohne eine ausreichende Aufbereitung und Archivierung in Zukunft verloren ginge.¿
Ohne maschinelle Unterstützung musste das Getreide noch per Hand gemäht werden.
Foto: LWL/Sundermann
Pressekontakt
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
LWL-Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen
Scharnhorststr. 100 48151 Münster Karte und RoutenplanerDer LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
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