Hier: PresseMitteilungs-Detailseite
30.10.09 | Kultur Der LWL verleiht seinen Karl-Zuhorn-Preis 2009 an Rita Gudermann
Der LWL hat seinen Karl-Zuhorn-Preis für westfälische Landesforschung an Dr. Rita Gudermann verliehen.
Foto: Privat
¿Gudermanns Forschungen haben eine hohe landeskundliche Bedeutung, weil sie mit neuen, anregenden und innovativen Fragestellungen neue Forschungsperspektiven für die westfälische Agrargeschichte erschlossen haben. Indem sie ökonomische und ökologische Aspekte verknüpft hat, ist es ihr gelungen, die Agrargeschichte stärker an die allgemeinen Forschungstrends der Geschichtswissenschaft heranzuführen¿, heißt es in der Begründung des Rates für westfälische Landeskunde. Gudermanns Veröffentlichungen stünden für eine moderne Agrarumweltgeschichte, die nicht eine naturverbundene Vergangenheit und eine aus ökologischer Sicht destruktive Gegenwart gegenüberstelle. Sie arbeite stattdessen die vielschichtigen Konfliktebenen zwischen Ökologie und Ökonomie heraus, um anschließend die Kostenseite, die sozialen Folgen und die langfristige Wirkung auf die Kulturlandschaft in den Blick zu nehmen, so der Rat weiter.
¿Gudermann bezieht die staatliche Wirtschaftspolitik nicht ¿ wie für das 19. Jahrhundert üblich ¿ auf Gewerbe und Industrie, sondern auf die Landwirtschaft. Ihre Dissertation bleibt nicht bei der Behandlung der technischen Prozesse und ökonomischen Ergebnisse stehen, sondern geht auch näher auf die jeweilige Eigenlogik der staatlichen Wirtschaftsförderung einerseits sowie die naturale Ökonomie und Innovationsbereitschaft der Bauern andererseits ein und schildert deren Konflikte¿, so Prof. Dr. Bernd Walter, Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte, in seiner Laudatio. Bei ihrer ¿Technikfolgenabschätzung¿ und ökologischen Perspektive mache sie die Folgen des kapitalistischen Umgangs mit der Landwirtschaft für Mensch und Natur deutlich, ohne die vorkapitalistische agrarische Wirtschaftsweise zu idyllisieren. Damit sei sie innerhalb des Aufschwungs der Naturschutz- und Umweltgeschichte, der international in den 1980er, in der Bundesrepublik in den 1990er Jahren eingesetzt habe, innovativ gewesen, sagte Walter weiter. ¿Die Verleihung des Karl-Zuhorn-Preises durch den LWL ist eine kleine Anerkennung für ihre innovativen Arbeiten zur westfälischen Argar- und Umweltgeschichte¿.
Zur Person:
Gudermann, die 1964 in Lippstadt (Kreis Soest) geboren wurde und in Rüthen das Gymnasium besuchte, hat in Berlin Geschichte, Germanistik und Biologie studiert. 1998 promovierte sie über ¿Wassersachen. Landwirtschaftliche Meliorationen (Bodenverbesserungen) zwischen ländlichen Interessen und staatlicher Landeskulturpolitik in Westfalen und Brandburg (1830 ¿ 1880)¿. Dabei machte sie die Modernisierung nicht als lineare Erfolgsgeschichte sondern auch ihre Schattenseiten sichtbar und verdeutlicht, wie auf diese Weise die ¿Kulturlandschaft¿ als Produkt menschlichen Handelns entstanden ist.
Pressekontakt
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
Der LWL im Überblick
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 21.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 20 Krankenhäuser, 18 Museen, zwei Besucherzentren und ist einer der größten Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 125 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.
Zu allen Pressemitteilungen des LWL Zu allen Pressemitteilungen dieser LWL-Einrichtung